Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Richterschreck Schulte-Wermeling sind wieder einmal einige Leserbriefe im Tages-Anzeiger abgedruckt worden, deren Schreiber sich über den ‚Bussenterror‘ enervieren.
Ich kann mich nur wundern, mit welchen Argumenten diese Leute, bezeichnenderweise alles Männer, sich darüber aufhalten, dass – ihrer Meinung nach – zu viele Bussen verteilt werden.
Nun, wenn’s mir recht ist, sind immer noch die Fahrzeugführer dafür verantwortlich, wie schnell ihr Gefährt unterwegs ist und wo es abgestellt wird. Das beste Rezept gegen Bussen bleibt sich an die Regeln zu halten, die in den meisten Fällen mit gutem Grund so definiert wurden.
Auch das Argument, dass die Kantonsparlamente die Busseneinnahmen budgetieren, wird moniert. So lange ein guter Teil der Leute zu einfältig sind, sich an die Regeln zu halten, darf allerdings getrost weiter damit kalkuliert werden.
Und um auch dies klar zu stellen: auch ich bin schon gebüsst worden, auch ich habe mich darüber geärgert; allerdings über mich und nicht über den Blechpolizist…
Ich kann dir da nur zustimmen, auch wenn ich noch nie gebüsst wurde, also vielleicht sogar etwas voreingenommen bin…
Schwarzfahren wurde ja auch immer teurer und es gab, meines Wissens keine Leserbriefe, dies meiner Meinung nach auch zu Recht.
Es ist sicherlich vernünftig, dort zu büssen, wo Fehlbare andere beeinträchtigen oder gar Unfälle verursachen (zum Beispiel an unübersichtlichen Kreuzungen). Aber wenn niemand zu Schaden kommt, ist eine geringfügige Übertretung auch mal grosszügig zu behandeln (zum Beispiel fünf Minuten zu lang geparkt, 3km/h zu schnell) – weil es auch bei Gesetzen eine gewisse Toleranz benötigt (wie ganz allgemein beim Zusammenleben). Stures festhalten an Gesetzen und Verordnungen führt meist nicht zu mehr Sicherheit, sondern zu umso grösseren Exzessen. Für so einen Blechpolizisten sind bald mal CHF 100’000 fällig (Anschaffungskosten – was die Maintenance von den Dingern kostet, weiss ich nicht) – Steuergelder, nota bene, die dann von der Gemeinde auch wieder „hereingeholt“ werden müssen – war ja auch eine kräftige Investition. Das führt dazu, dass solche Geräte dann nicht an den wirklich gefährlichen Stellen aufgestellt werden, sondern dort, wo sie am meisten rentieren. Und damit werden meine Steuergelder nicht für mehr Sicherheit eingesetzt, sondern um mehr Einnahmen zu generieren – wozu der Staat keinen Auftrag hat.
Nun bleibt die Frage zu klären, wo Blechpolizisten stehen, die alleine den Busseneinnahmen dienen. Beziehungsweise: ist der Autofahrer aus seiner ‚Froschperspektive‘ überhaupt in der Lage zu beurteilen, aus welchem Grund eine Radarfalle an einem bestimmten Ort steht?
Ein Beispiel: die drei Radargeräte an der Rosengartenstrasse, richtung Bucheggplatz/Hirschwiesen, gehören zu den einträglichsten in der ganzen Stadt. Der Autofahrer sagt: pure Schikane, schliesslich ist die Strasse vierspurig, da könnte man doch problemlos schneller fahren. Hauptzweck dieser Geräte ist aber die Lärmbelastung der Anwohner in einem gewissen Rahmen zu halten, was auch ein legitimer Grund ist. Wenn nun die Autofahrer zu blöd sind, sich daran zu halten, dann sind sie selber schuld.
Im übrigen wird ja dem Autofahrer eine gewisse Toleranz zuerkannt, bei der Geschwindigkeit sogar eine doppelte: der Tacho zeigt a priori mehr an als die effektive Geschwindigkeit und zur Messung wird noch eine Gerätetoleranz addiert. Und auch beim Parken gibt’s keine Busse, wenn die Parkuhr 5 min. abgelaufen ist (Ausnahmen wohl ausgenommen).
So oder so: die Regeln sind klar, wer sich nicht daran hält, der zahlt.
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ich schliesse mich der meinung von marcel an und bin für mehr toleranz im strassenverkehr. im übrigen könnte man gerne auch mal die „lieben“ velofahrer büssen. wegen denen hätte es bei mir – regelmässige autofahrerin- schon mehrmals fast gekracht. die halten sich nämlich weder ans rotlicht noch an sonst irgendwas; mal fahren sie auf der strasse, zickzack wenn’s sein muss, und mal auf dem trottoir, wo auch passanten gefährdet werden, je nach belieben. ich verstehe wirklich nicht, wieso da nicht härter durchgegriffen wird, denn das gefährdungspotential ist absolut vorhanden!
Ich habe mal folgende Ueberlegung gemacht:
Ein Tacho hat eine Messgenauigkeit von +- 2 Km/h (egal ob er grundsätzlich zu viel anzeigt oder nicht). Der Umfang eines neuen guten Winterreifens kann bis zu 3.3% grösser sein als derjenige eines Sommerreifens gegen ende seines Lebens, dies macht einen Unterschied von 1,7 Km/h. Addieren sich zufällig die beiden Fehler so bin ich mit 3,3 Km/h zu schnell unterwegs ohne dies zu ahnen und bin bereits „bussenfällig“. Die Genauigkeit die uns Automobilisten in den wohlbemerkten zugelassenen Fahrzeugen zur Verfügung steht reicht nicht mehr aus um z.B. die gesetzlich erlaubten 50Km/h innerorts zu fahren. Müssen wir in Zukunft unsere Gefähre ebenfalls mit Radar-Geschwindigkeitsmesser ausrüsten um da mitzuhalten?
@Christian:
Ich kann Deiner Argumentation nicht ganz folgen.
> Ein Tacho hat eine Messgenauigkeit von +- 2 Km/h (egal ob er grundsätzlich zu viel anzeigt oder nicht)
Das mit der Messgenauigkeit stimmt wohl, nur lässt Du ausser Betracht, dass eben wegen dieser Toleranz die Tachos grundsätzlich einige Kilometer zu viel anzeigen, genau genommen mind. 5% zuviel, das ist so vorgeschrieben.
Somit ist die Situation, alle Variablen einbezogen, immer so, dass der Tacho zuviel anzeigt. Das bedeutet, dass jeder der gemäss seiner Tachoanzeige 50 oder wenig drüber fährt, auf keinen Fall in den Bussenbereich gelangt, seien die Variablen und Toleranzen noch so unglücklich verknüpft.
Die Ueberlegung stimmt zwar, erlaubt mir allerding nicht wirklich die 50 Km/h auch wirklich zu fahren. Mein Tacho zeigt 54 an wenn ich genau 50 Fahre. Macht er eben dann noch einen fehler von -2Km/h und zudem gerade die neuen Winterpneus montiert habe bin ich tatsächlich zu schnell. Es belibt mir somit nichts anderes übrig als auf die 50 Km/h zu verzichten und eben so zu fahren wie es mir der Tacho vorgibt (was ich übrigens auch immer gemacht habe). Die Ueberlegung ist mehr als grundsätzlich zu betrachten indem sich herausstellt, dass etwas erlaubtes (die wirklichen 50 Km/h) mit diesen Regelungen gar nicht mehr möglich sind.
viele Grüsse, Christian
PS: entschuldigung für den Schreibfehler von 3.3 Km/h, er sollte heissen 3,7 Kn/h (2 Km/h + 1,7 Km/h macht eben 3.7 Km/h)
Das Weihnachtsgeschenk
Es war einmal in Seldwyla,
Da fuhren einige Einwohner mit ihren Autos viel zu schnell und
verursachten Folgenschwere Unfälle.
So kann das nicht weitergehen, sagte sich der Einwohnerrat und
beschloss Geschwingikeitskontrollen mit hohe Bussen für diese Raser
einzuführen.
Nun stellte der Einwohnerrat aber fest, dass diese Massnahme
der Raserei nicht mächtig wurde.
Man beschloss deshalb die Geschwindigkeitskontrollen um ein Zehnfaches,
flächendeckend, zu erhöhen und stellte dafür mehr Personal ein.
Nun stellte der Einwohnerrat aber fest, dass dies den Einwohnern
keinerlei Eindruck machte. Im Gegenteil, immer mehr Einwohner
mussten wegen Uebertretungen gebüsst werden.
Man kaufte deshalb präzisere, jedoch teurere, Messgeräte und schaffte
die technisch bedingten Sicherheitsabzüge ab. Es gab keinen Grund
mehr, den Rasern „Geschenke“ zu machen.
Nun stellte der Einwohnerrat aber fest, dass auch diese Massnahme die
Geschwindigkeitsübertretungen nicht eindämmen konnte. Im Gegenteil,
auch dieses mal waren wieder deutlich mehr Einwohner unter den
gebüssten.
Man beschloss deshalb in allen Strassenbereichen die Geschwindigkeit
um 10 km/h zu reduzieren um dieser Unsitte Einhalt zu bieten.
Nun stellte der Einwohnerrat aber fest, dass nun fast alle Einwohner
bestraft werden mussten.
Trotz des beträchtlichen Aufwandes hat sich das Geld in der Kasse
mittlerweilen derart vermehr, dass der Einwohnerrat für Weihnachten
stolz verkünden konnte:
„Freude herrscht… Im nächsten Jahr können die Steuern von Seltwyla
abgeschafft werden. Liebe Einwohner, wir legen es Ihnen ans Herz,
fahrt bitte weiterhin immer etwas zu schnell sonst… und zwar…“
Nun waren alle zufrieden:
die Raser weil sie nicht aus dem Verkehr gezogen wurden,
der Einwohnerrat der keine Geldsorgen mehr hatte und
die Einwohner die von den Steuern befreit waren.
Alle konnten Weihnachten mit viel Freude und Zuversicht feiern.
Und was willst Du uns mit Deiner Geschichte sagen?
Schlussendlich haben es immer noch die Einwohner in der Hand, sich an die gesetzte Limite zu halten.
Natürlich sind alle Automobilisten blöd sonst würde sie andere Politiker wählen. Die Nulltoleranz und das Verursacherprinzip muss endlich auch gegen Politiker gelten. Wer Mist baut soll zahlen und dann 3 Monate Regierungsverbot. Kurz, dem Polizeistat Schweiz muss endlich Einhalt geboten werden.
Übrigens, tiefe Tempolimiten zwingen – eben um Bussen zu vermeiden – zum Fahren in tieferen Gängen was 1. mehr Benzin braucht (CO2, Ozon), mehr Lärm verursacht und Feinstaub produziert.
Die Busseneinnahmen sollten an die IV und die ALV gehen, das wäre dann Verursacherprinzip.
In diesem Sinne viel Schweizchen-Schleicher,
Rhyfisch